Die Haltung von Meerschweinchen
Schon seit 1200 v. Chr. werden Meerschweinchen von den Indios in Südamerika gehalten und gezüchtet.Sie nutzten die Nager als Fleischreserve, ähnlich unseren Stallkaninchen, aber auch als Opfertiere oder Grabbeigabe. Noch immer werden die Cuys, wie sie dort heißen, auf den Wochenmärkten angeboten.Erst vor ca. 400 Jahren gelangten sie mit den Seefahrern nach Europa. Warum sie einst mitgenommen wurden, ist leider unbekannt.
Wildmeerschweinchen leben noch heute in kleinen Gruppen von 5 bis 10 Tieren in den Anden, wobei sie Erdbauten nutzen, die andere Tiere gegraben und später verlassen haben. Sie wären selbst nicht in der Lage mit ihren kurzen Beinchen, auf denen ein verhältnismäßig schwerer Körper ruht, eine Erdhöhle zu graben.
Meerschweinchen sind so genannte Nestflüchter und beliebte Beutetiere für viele andere Spezies. Deshalb pflanzen sie sich in schneller Generationenfolge fort und sind ziemlich schreckhaft.
Viele ihrer natürlichen Feinde nähern sich ihnen aus der Luft und greifen mit ihren Krallen oder Klauen nach ihnen. Daher die instinktive Angst unserer Meerschweinchen, wenn sich der Mensch über sie beugt!
Junge Meerschweinchen kommen vollkommen entwickelt zur Welt. Sie öffnen bereits im Mutterleib die Augen und nehmen wenige Stunden nach ihrer Geburt, neben der Muttermilch, feste Nahrung zu sich. Sie sehen schon als Neugeborene wie erwachsene Meerschweinchen aus, nur eben im Miniformat.
Ein Meerschweinchen trägt ihre Babys 65 bis 68 Tage aus, wobei die Schwangerschaft erst nach vier Wochen deutlich erkennbar ist.
Das Muttertier hat nur zwei Zitzen, so dass sich die Jungen beim Trinken abwechseln bzw. gedulden müssen. Die Würfe sind in der Regel nicht groß; es kommen, je nach Alter und Gesundheitszustand der Mutter, 1 bis 5 Jungtiere zur Welt . Sie wiegen jeweils 50 bis 120 g bei Mehrlingsgeburten und 120 -150 g bei einzeln geborenen Babys .
Sie werden 3 bis 4 Wochen lang von der Mutter gesäugt und die kleinen Jungs (Böckchen genannt) sind bereits im Alter von 6 bis 8 Wochen geschlechtsreif und können dann ihre Mutter oder Schwestern decken. Deshalb müssen die Böckchen im Alter von 5 Wochen leider von den weiblichen Tieren getrennt werden!
Abgeben sollte man die Babys aber erst, wenn sie ein Gewicht von mindestens 350 g aufweisen. Ein Meerschweinchen kann 5 bis 8 Jahre alt werden!
Die jungen Böckchen können in kleinen „Junggesellengruppen„ friedlich miteinander auskommen, wenn erstens genügend Platz vorhanden ist und sie zweitens frühzeitig gelernt haben, mit ihren Geschlechtsgenossen umzugehen.
Zu schweren Beißereien und ernsthaften Auseinandersetzungen kommt es in der Regel nur dann, wenn Weibchen in ihre Nähe gelangen; da reicht es auch aus, deren Geruch in der Nase zu haben. Dies muss man bei der Haltung von mehreren Meerschweinböckchen unbedingt beachten!!!!!
Auch kastrierte Meerschweinböckchen können nur miteinander gehalten werden, wenn die „Weiblichkeit„ ausgeschlossen bleibt .
Die „Meersäue„ sollten artgerecht in Gruppen, sozusagen als „Harem„ mit einem selbstbewussten kastrierten Bock zusammenleben dürfen!
Er sorgt unter seinen „Weibchen„ für die nötige Autorität, hält damit friedlich sein Rudel zusammen und verhindert größere Auseinandersetzungen unter den „Zicken„!
Der Bock ist in der sozialen Rangfolge die „Nummer Eins„ und zeigt mitunter auch deutliche Vorlieben für ganz bestimmte „Mädels„ aus seiner Gruppe, die dann ebenfalls ranghoch stehen und die anderen Weibchen dominieren.
Meerschweinchen sind sehr soziale, gesellige und äußerst kommunikative Heimtiere, die für ihr Wohlbefinden unbedingt den Umgang mit ihren Artgenossen brauchen. So gehalten, haben sie auch nichts gegen die Gesellschaft von friedlichen Zwergkaninchen, wobei es mir wichtig ist zu betonen , dass sich die verschiedenen Nager nur tolerieren, aber niemals miteinander kommunizieren können!
Ein einzelnes Meerschweinchen, das mit einem einzelnen Zwergkaninchen gehalten wird, ist genauso einsam, wie es der Mensch wäre, wenn er mit einem Affen zusammenleben müsste anstelle mit seinesgleichen!
Ich halte in einem Garten-Auslauf eine Gruppe von 9 Meerschweinchen (ein kastrierter Bock und 8 Weibchen) und zwei Zwergkaninchen-Schwestern miteinander. Die Kaninchen sind den Umgang mit den kleineren Meerschweinchen von Babyzeiten an gewöhnt und entsprechend friedlich.
Den Tieren steht eine Grundfläche von 10 bis 12 qm zur Verfügung, wobei sie diese auf verschiedenen Ebenen nutzen können.
Während der Nacht wird getrennt geschlafen. Die Kaninchendamen Marie und Antoinette schlafen in ihrem Kaninchenstall und die Meerschweine in ihrer Gemeinschaftsunterkunft, wobei jedem Tier noch einmal ein kleines Holzschlafhäuschen zur Verfügung steht, welches es mit seiner Körperwärme temperieren kann .
Das Meerschweinhaus ist gegen Kälte und Hitze isoliert, indem es mit Styropor ausgekleidet wurde. Den Boden haben wir mit Teichfolie ausgelegt, damit er sich besser sauber halten lässt. Der Deckel lässt sich von oben öffnen und auch verriegeln, damit Marder oder Füchse keine Chance haben einzudringen. Die Eingangsklappe bleibt tagsüber aufgestellt und bietet so noch ein Schatten spendendes Dach, unter dem sich die Tiere gerne aufhalten.
Das Meerschweinchenrudel habe ich langsam um das kastrierte Böckchen herum "anwachsen" lassen, indem ich es nach und nach durch Hinzusetzen von weiblichen Jungtieren erweitert habe. Auf diese Weise kam es bisher nie zu Auseinandersetzungen unter den „Weibern„ , da die natürlich gewachsene soziale Hierarchie durch das jeweils neue Jungtier nicht in Frage gestellt wurde.
Die „Kleine„ hatte sich einzufügen und die ihr zugewiesene Position zu akzeptieren. Der Bock sorgte seinerseits stets für Ruhe und ging auch schon mal dazwischen, wenn es ihm zu heftig wurde.
Für Meerschweinchen- und Kaninchenliebhaber ist es eine große Freude, die Tiere zu beobachten und immer wieder von neuem interessant; es wird nie langweilig!
Aus diesem Grund sind Meerschweinchen und auch Zwergkaninchen eher nicht als Kuschel- oder Streicheltiere für kleinere Kinder geeignet!
Vielmehr sollten Erwachsene die Haltung von Nagern betreiben und nur ältere (ab 10 Jahren), vernünftige, wirklich interessierte Kinder sorgfältig und liebevoll unterstützend in der Nagerpflege anleiten.
Die Tiere möchten, im Gegensatz zu Katzen oder Hunden, nicht von Menschen angefasst und hochgenommen werden, obgleich sie ihrem vertrauten Pfleger gegenüber sehr zutraulich werden können und ihm die Leckereien aus der Hand fressen.
Es ist aber immer mit großer Aufregung für die Tiere verbunden, wenn sie zwecks der notwendigen regelmäßigen Krallenkürzung, der Zahn- und Gewichtskontrolle oder der vorbeugenden Ohr- und Hautkontrolle eingefangen werden müssen. Sie erleiden wirklich Todesängste und sind heilfroh, wenn die Prozedur vorbei ist und sie wieder unter sich sind.
Auf gar keinen Fall, wirklich auf gar keinen Fall, dürfen Meerschweinchen, Hamster, Ratten, Kaninchen oder andere Nager zu lebendigem „Spielzeug„ für Kinder verkommen !!! Das hat kein Tier verdient.
Sie sind Lebewesen mit ihren eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen und sind nicht in der Lage sich gegen unwürdige Lebensverhältnisse zu wehren. Sie werden nicht unsauber, wie unglückliche Katzen, sie beißen nicht ihren Peiniger, wie vielleicht Hunde und haben auch unter den Tierliebhabern wenig
Still müssen sie häufig über viele Jahre ein schreckliches Schicksal erdulden ohne Hoffung auf Besserung!
Leider sind sie überall und jederzeit billig zu erwerben und selbst, wenn man ihrer überdrüssig geworden ist, ganz einfach mit ihrem viel zu kleinen Käfig in irgendeine Ecke der Wohnung zu schieben ohne weiter beachtet zu werden!
Die im Handel angebotenen Käfige sind durchweg zu klein, wenn man den Tieren keinen anderweitigen Auslauf bieten kann.
Eine kombinierte Haltung von Käfig und Auslauf, egal ob im Garten oder in der Wohnung, ist empfehlenswert. Der Käfig ist immer noch die sicherste Möglichkeit Nager zu verwahren, wenn sie während des Freilaufes nicht beaufsichtigt werden können oder sie im Freien des nachts vor Räubern geschützt werden müssen.
Das „täglich Brot„ unserer Meerschweinchen und auch der Kaninchen ist gutes, frisches Heu!
Als Rauhfutter wird es dringend für die Verdauung gebraucht und es dient der Abnutzung der ständig nachwachsenden Zähne. Die mahlende Kaubewegung der Zähne hält sie auf natürliche Weise kurz.
Kraftfutter oder Körnermischungen werden zwar gerne angenommen, sind aber sehr kalorienreich und dürfen nur dosiert verfüttert werden.
Zusätzlich notwendig ist die Gabe von vitaminhaltigem Grünfutter und zwar täglich, auch im Winter, wenn es sehr teuer wird. Meerschweine können, wie auch der Mensch, das Vitamin C nicht selbst bilden und müssen es mit der
Am liebsten nehmen meine Tiere Möhren mit Möhrengrün, Kohlrabi mit den Blättern, Schlangengurkenscheiben, Äpfel und Endiviensalat.
Absolute Leckereien sind unter anderem Löwenzahn, frisches Gras, Petersilie oder so genanntes Katzengras!
Bitte keinesfalls Kohl, Kartoffeln oder Kopfsalat füttern. Das eine erzeugt Blähungen und Verdauungsstörungen heftigster Art und das andere ist viel zu nitrathaltig!
Eisbergsalat oder Salatherzen sind eine Alternative, wenn es keinen Endiviensalat zu kaufen gibt! Chinakohl mögen meine Tiere wegen des dicken Strunks nicht, der durch alle Blätter läuft. Manche Meerschweinchen fressen auch rote Paprika, Tomaten, Melonen oder Kiwis!
Viele Tiere fressen ihr Leben lang nur das, was sie als Babys, durch das Vorbild der Mutter, gelernt haben zu fressen.

|
|